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Demenzrisiko bei Vorhofflimmern

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Es ist bekannt, dass Vorhofflimmern ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall und Demenz mit sich bringt und dass die Gerinnungshemmung die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls reduzieren kann. Bislang war nicht klar, ob die Gerinnungshemmung bei Patienten mit der häufigsten Herzrhythmusstörung auch die Wahrscheinlichkeit einer Demenz verringern kann. Jedoch wurde es für möglich erachtet, dass Medikamente zur Verhinderung eines Schlaganfalls auch kognitive Schädigungen, zum Beispiel verursacht durch unbemerkte kleine Schlaganfälle, hemmen können. Hintergrund ist, dass das Auftreten eines Schlaganfalls ebenfalls eine Demenz verursachen kann. Nun wurde in einer großen Studie festgestellt, dass die Gerinnungshemmung bei Menschen mit Vorhofflimmern auch das Risiko einer Demenz reduzieren kann

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Was ist die Demenz?

Inhalt: 

Demenz ist eine mentale Störung, die durch eine Beeinträchtigung des Gedächtnisses und von kognitiven Fähigkeiten gekennzeichnet ist. Neben dem Gedächtnis können auch Fähigkeiten wie Sprache, Auffassungsgabe, Denkvermögen oder Orientierungssinn beeinträchtigt sein. Zu den kognitiven Einschränkungen kommen in der Regel soziale und emotionale Persönlichkeitsveränderungen hinzu. Nicht zuletzt bedeutet die Entwicklung einer Demenz eine Beeinträchtigung in der bisherigen Lebensqualität. Aber auch die Pflegenden von Demenzkranken können gesundheitliche Probleme aufgrund einer Überforderung entwickeln. Wegen der alternden Bevölkerung ist Demenz eine zunehmende Problematik im Gesundheitswesen, da sie in erster Linie ältere Patienten betrifft. Die Anzahl der Demenzkranken in Deutschland wird auf zirka 1,2 Millionen mit etwa 244.000 Neuerkrankungen pro Jahr geschätzt.1 Der Begriff der Demenz bezeichnet ein bestimmtes Muster von Symptomen, welches verschiedene Ursachen haben kann. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz bei älteren Menschen und macht 60 % bis 80 % der Fälle aus, gefolgt von der vaskulären Demenz, die 10 % bis 20 % ausmacht.2 Die vaskuläre Demenz ist eine Folge von vaskulär bedingten Schädigungen des Gehirns. Hierbei werden makro- wie mikrovaskuläre Erkrankungen zusammengefasst, also Schädigungen der großen oder kleinen Blutgefäße im Gehirn.

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Vorhofflimmern als Risikofaktor einer Demenz

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Medizinische Studien zeigen einen Zusammenhang in der Zunahme von Demenz und Vorhofflimmern.2 Diese Beobachtung ist nicht überraschend, da die Krankheitsstadien von Demenz und Vorhofflimmern ähnliche Risikofaktoren aufweisen. Untersuchungen machen deutlich, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Entzündungen der Gefäße und erhöhte Cholesterin-Werte das Risiko für eine Demenz erhöhen können.1 Ähnlich wie bei der Demenz steigt das Risiko für Vorhofflimmern mit zunehmendem Alter bzw. bei Vorliegen von Diabetes, Herzinsuffizienz und Bluthochdruck. Vorhofflimmern ist ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenz und mit einem erhöhten Risiko des Versterbens verbunden.2 Jeder vierte bis sechste Patient mit Vorhofflimmern entwickelt im Laufe der Erkrankung eine Demenz.3,4 Menschen mit Vorhofflimmern haben ein um 30% erhöhtes Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Je länger jemand an Vorhofflimmern erkrankt ist, desto größer besteht sein Risiko für eine nachfolgende Demenzerkrankung.3 Welche Mechanismen hinter der Assoziation zwischen Vorhofflimmern und Demenz stecken, ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutet wird ein Zusammenhang mit dem Auftreten von stillen Schlaganfällen. Denn ein Zusammenhang zwischen Vorhofflimmern und einem vermehrten Auftreten von Demenz bei Schlaganfallpatienten wurde ebenfalls nachgewiesen. Bei Patienten, die einen Schlaganfall erleiden, kommt es in der Folgezeit mehr als doppelt so häufig zu einer Demenz.4 Zudem haben Schlaganfallpatienten ohne Vorhofflimmern als Vorerkrankung ein höheres Risiko für anschließende kognitive Beeinträchtigungen.5 Eine zweite mögliche Erklärung könnte in der Veränderung des Blutflusses aufgrund von Vorhofflimmern liegen. Eine Minderdurchblutung im Gehirn aufgrund von Vorhofflimmern könnte die Nervenzellen schädigen.

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Gerinnungshemmung reduziert das Demenzrisiko

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Demenzrisiko
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Bereits früh wurde vermutet, dass das Demenzrisiko durch eine optimale Therapie des Vorhofflimmerns gesenkt werden könnte. Eine neue Studie stellte nun fest, dass blutverdünnende Medikamente nicht nur das Schlaganfallrisiko bei Patienten mit Vorhofflimmern reduzieren, sondern auch mit einer signifikanten Reduktion des Demenzrisikos verbunden sind.6 Die nachträgliche Beobachtung von fast 450.000 Patienten ist die größte Studie, die je einen Zusammenhang zwischen gerinnungshemmender Behandlung und Demenz bei Patienten mit Vorhofflimmern untersuchte. Hierfür wurden Daten von schwedischen Datensammlungen für Patienten zwischen 2006 und 2014 betrachtet. Dabei kam heraus, dass die Einnahme der Gerinnungshemmer in ein um 29 % vermindertes Risiko für die Entwicklung einer Demenz mündete, verglichen mit Menschen, welche keine Gerinnungshemmer einnahmen. Wurden die Gerinnungshemmer (Antikoagulanzien) über einen langen Zeitraum eingenommen, verringerte sich das Risiko einer Demenz sogar um fast 50 %. Wenn die Gerinnungshemmer der neuen Generation (NOAKs) und die Vitamin-K-Antagonisten mit einer Nicht-Behandlung verglichen wurden, schnitten die NOAKs in der Verminderung des Demenz-Risikos etwas besser ab. Die NOAKs verringerten dann das Risiko einer Demenz um 52 %, die Vitamin-K-Antagonisten um 38 %. Im direkten Vergleich der Gerinnungshemmer wurde kein Unterschied festgestellt. Die Ärzte fanden auch heraus, dass je früher die orale Antikoagulation nach der Diagnose von Vorhofflimmern begonnen wurde, desto größer die schützende Wirkung gegen Demenz zu beobachten war. Es scheint also wichtig zu sein, möglichst früh nach der Diagnose des Vorhofflimmerns die Einnahme von Gerinnungshemmern zu starten. Auch wenn es sich bei Studie um eine rückblickende Untersuchung handelte, was bedeutet, dass keine kausale Wirkung eindeutig gezeigt werden kann, glauben die Forscher, dass die Ergebnisse stark darauf hindeuten, dass die orale Antikoagulation bei Patienten mit Vorhofflimmern vor einer Demenz schützen kann. Grundlegend zu beachten ist, dass die Antikoagulationstherapie sorgfältig angewandt und die Therapietreue eingehalten wird. Darüber hinaus gilt es, weitere Risikofaktoren zu vermeiden und die Herzgesundheit zu fördern. Diabetes und Bluthochdruck sollten im Auge zu behalten und falls notwendig frühzeitig medizinisch angegangen werden. Ein gesunder und aktiver Lebensstil, körperliche Bewegung und ein reges soziales Leben sind weitere Faktoren, die dabei helfen, einer möglichen Demenz Einhalt zu gebieten.

Inhalt: 

1 Deuschl G, Maier W et al. S3-Leitlinie Demenzen. 2016. In: Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Hrsg. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/5389.php (abgerufen am 20.11.2017)
2 Bunch TJ et al. Heart Rhythm 2010; 7: 433-437
3 de Bruijn R et al. JAMA Neurol 2015; 72: 1288-1294
4 Kwok CS et al. Neurology. 2011; 76: 914-22
5 Dichgans M. et al. S1-Leitlinie Vaskuläre Demenzen. 2017. In: Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Hrsg. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 20.11.2017)
6 Friberg L, Rosenqvist M. Eur Heart J. 2017 Oct 24. doi: 10.1093/eurheartj/ehx579. [Epub ahead of print]

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