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Depressionen gehen mit Vorhofflimmern einher

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Depressionen und Ängste wirken sich negativ auf den Verlauf vieler Krankheiten aus. Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK), nach einem Herzinfarkt oder mit chronischer Herzinsuffizienz ist vielfach belegt worden, dass Depressionen ein häufiges Phänomen sind, die ihrerseits die Grunderkrankung verstärken und z. B. das Risiko für weitere Infarkte und die Sterblichkeit erhöhen. Obwohl das Vorhofflimmern die häufigste Herzrhythmusstörung ist, von der allein in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen betroffen sind, wurde das Auftreten von Depressionen in dieser Patientengruppe bislang nur stiefmütterlich erforscht. Eigentlich überraschend, da die typischen Symptome eines Vorhofflimmerns wie Herzrasen, Luftnot oder Schwindel schon per se den Betroffenen Sorgen bereiten. Dass Vorhofflimmern tatsächlich oft mit Depressionen, Schlafstörungen, anhaltender Müdigkeit und körperlicher Inaktivität einhergeht, wiesen nun deutsche Experten des Kompetenznetzes Vorhofflimmern nach, die erstmals systematisch sowohl die psychische Verfassung als auch die Einschränkung der Lebensqualität bei Patienten mit Vorhofflimmern erforschten.1,2 Das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) ist ein interdisziplinäres Forschungsnetz, in dem Wissenschaftler und Ärzte aus Kliniken und Praxen deutschlandweit zusammenarbeiten. Ziel des Netzwerks ist es, die Behandlung und Versorgung von Patienten mit Vorhofflimmern in Deutschland, Europa und den USA durch koordinierte Forschung zu verbessern.

Titel: 
Vorhofflimmern wird bei Depression schwerer empfunden

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Depressionen gehen mit Vorhofflimmern einher
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Untersucht wurden diese Zusammenhänge mit einer Depression bei über 500 deutschen Patienten mit Vorhofflimmern im Rahmen von zwei klinischen Studien des AFNET. Dabei wurden in den Studien sowohl die Daten von Patienten mit einem paroxysmalem, also vorübergehendem anfallsartigen Vorhofflimmern als auch solche von Patienten mit einem persistierendem, d. h. anhaltendem Vorhofflimmern ausgewertet.1,2 Im Normalfall machen Kardiologen ihre Entscheidung für eine mehr oder weniger aggressive antiarrhythmische Therapie davon abhängig, wie stark das Vorhofflimmern den Patienten belastet. Dass bei der individuellen Therapieentscheidung nicht nur körperliche Symptome, sondern auch die psychische Verfassung und Lebensqualität des Patienten berücksichtigt werden sollten, ist ein eindeutiges Ergebnis der neuen Studiendaten. Denn diesen zufolge beeinträchtigen depressive Stimmungen nicht nur das psychische Wohlbefinden, sondern verstärken auch die körperlichen Beschwerden der Betroffenen. So werden Symptome wie Unruhe, Übelkeit oder Kurzatmigkeit von Depressiven schwerwiegender empfunden als von Patienten ohne Anzeichen einer Depression. Dies gilt bei paroxysmalem ebenso wie bei persistierendem Vorhofflimmern, betonen die Autoren. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die Lebensqualität ein wichtiges Entscheidungskriterium für Therapieoptionen sein sollte.

Titel: 
Seelische Probleme aktiv mit dem Arzt besprechen

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Dass an dieser Stelle noch Nachholbedarf besteht, belegen frühere Studiendaten, denen zufolge Ärzte und Patienten die psychische Verfassung von Patienten mit Vorhofflimmern oft recht unterschiedlich beurteilen.3 Depression, Schlafstörung und geringe körperliche Aktivität werden demnach von den Ärzten weniger gravierend eingeschätzt als von den Betroffenen selbst. Daher empfehlen die Experten die gezielte Schulung von Ärzten, damit diese eine Depression bei ihren Patienten besser erkennen können. Außerdem raten sie zu einem Depressions-Screening in solchen Kliniken und Praxen, die besonders viele Patienten mit Vorhofflimmern behandeln. Überdies sollen weitere Studien klären, ob solche Maßnahmen geeignet sind, den Gesundheitszustand bei Patienten mit Vorhofflimmern zu verbessern. Eine Lehre für betroffene Patienten ist, bei Anzeichen einer Depression aktiv auf den Arzt zuzugehen und ihn aktiv auf bestehende Sorgen, Ängste oder depressive Verstimmungen anzusprechen. Dabei geht es nur in zweiter Linie darum, dass der behandelnde Arzt solche Befunde bei seiner Therapiewahl berücksichtigt. Denn in erster Linie ist mit Depressionen auch völlig unabhängig vom Vorhofflimmern nicht zu spaßen, weshalb jede Chance für die rasche Erkennung einer therapiebedürftigen Depression, die auch das Hinzuziehen eines psychiatrischen Facharztes erfordern kann, genutzt werden sollte. Zögern sie also nicht bei Auftreten der genannten Beschwerden, sich vertrauensvoll an ihren Arzt zu wenden!

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1 von Eisenhart Rothe A et al. Europace 2015; 17: 1354-1362
2 von Eisenhart Rothe A et al. Europace 2014; 16: 812-819
3 von Eisenhart Rothe A et al. Am Heart J 2013; 166: 589-596

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