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Dr. Wirtz beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Vorhofflimmern und eine effektive Schlaganfallprävention

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Oftmals deuten Betroffene von Vorhofflimmern die Anzeichen der Erkrankung falsch oder halten die Symptome schlicht für unbedenklich. Das kann aber im schlimmsten Fall dazu führen, dass Vorhofflimmern erst nach einem Schlaganfall entdeckt wird. Daher sollten Betroffene sich möglichst früh an einen Arzt wenden, um eine sichere Diagnose zu erhalten und gemeinsam die Therapieschritte festzulegen. Dr. Jost Henner Wirtz, niedergelassener Kardiologe aus Dinslaken, erklärt, dass Vorhofflimmern eine ernsthafte Erkrankung ist, mit der man aber gut leben kann – wenn man der verordneten Therapie folgt.

Inhalt: 

1. Was sind typische Anzeichen von Vorhofflimmern und wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Dr. Wirtz: Typische Anzeichen von Vorhofflimmern sind Herzrasen, Unwohlsein, Atemnot und Schwindel und bei diesen Symptomen sollte man auch umgehend einen Arzt aufsuchen. Das Hauptproblem bei Vorhofflimmern ist aber, dass rund 30-40% der Betroffenen es gar nicht merken und wenn dann bei einer Routineuntersuchung Vorhofflimmern festgestellt wird, sind diese Patienten immer besonders verunsichert.

2. Warum ist bei Vorhofflimmern das Schlaganfallrisiko erhöht?
Dr. Wirtz: Durch das Flimmern der Vorhöfe wird die Pumpfunktion des Herzens immer wieder gestört. Das Blut fließt nicht mehr richtig in bestimmte Teile des Herzens. Dadurch staut sich das Blut in den Vorhöfen, kann dort verklumpen und so zur Bildung von Blutgerinnseln führen. Die Gefahr: Wenn sich ein solches Blutgerinnsel löst, kann es mit dem Blutstrom ins Gehirn wandern und dort die Blutgefäße verschließen. Es kommt zu einem ischämischen Schlaganfall, im Volksmund auch Hirninfarkt genannt.

3. Wovon hängt das persönliche Schlaganfallrisiko ab?
Dr. Wirtz: Besonders gefährdet sind Menschen, die schon einmal einen Schlaganfall hatten, denn dadurch erhöht sich das Risiko, noch einmal einen Schlaganfall zu erleiden sehr. Dieser verläuft dann meistens auch viel schwerwiegender. Abschätzen kann ein Kardiologe das Schlaganfallrisiko bei Vorliegen von Vorhofflimmern durch den sogenannten CHADS2-Vasc Score. Dies ist ein Punktesystem, welches persönliche Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Herzleistung und Blutdruck beim Patienten abfragt und dadurch das Schlaganfallrisiko entsprechend bestimmen kann.

4. Mit welchen Folgen müssen Betroffene rechnen?
Dr. Wirtz: Die Folgen können sehr dramatisch sein, da ischämische Schlaganfälle mit Ausfällen von bestimmten Körperfunktionen einhergehen. Dies versuche ich auch immer den Betroffenen mit teils drastischen Bildern deutlich zu machen: wenn keine Blutverdünnung durchgeführt wird, kann es zu folgenschweren Schlaganfällen und einer enormen Einschränkung der Lebensqualität kommen.

5. Was sind die wichtigsten Ziele bei der Behandlung von Vorhofflimmern?
Dr. Wirtz: Für die Patienten ist in erster Linie ein Rückgang der Beschwerden wichtig. Für den Kardiologen ist neben dem Ziel der Beschwerdefreiheit, die Vermeidung von Schlaganfällen ein wichtiges Ziel. Dafür müssen die Patienten dauerhaft und regelmäßig Blutgerinnungshemmer, sogenannte Antikoagulanzien, einnehmen. Generell sollte man den Patienten verdeutlichen, dass sie an einer Erkrankung leiden, die zwar ernst ist, aber mit der man gut leben kann – wenn man der verordneten Therapie entsprechend folgt.

6. Welche Vorteile bietet eine Therapie mit modernen Blutgerinnungshemmern, den neuen oralen Antikoagulanzien, gegenüber der bislang herkömmlichen Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten zur Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern?
Dr. Wirtz: Die Therapie mit einem neuen oralen Antikoagulanz, wie z. B. einem direkten Thrombinhemmer, ist einfacher in der Handhabung: So fallen z.B. regelmäßige Arztbesuche zur Blutkontrolle und Einschränkungen bei der Ernährung weg. Zudem haben die neuen oralen Antikoagulanzien den entscheidenden Vorteil, dass neben einer effektiven Schlaganfallprävention, das Risiko für intrakranielle Blutungskomplikationen, sogenannte Hirnblutungen, deutlich gesenkt werden kann.