Sie sind hier

Frakturrisiko bei Vorhofflimmern

Beinhaltet Submenu: 

Osteoporose ist eine häufig auftretende Erkrankung bei Patienten die auch an Vorhofflimmern leiden. Gerinnungshemmer der älteren Generation können durch ihre Wirkweise zusätzlich zu einem Knochenmineralverlust führen. Ein vermehrtes Auftreten von Knochenbrüchen kann die Folge sein. Ein Vertreter der Gerinnungshemmer der neuen Generation weist das erhöhte Risiko für Frakturennicht auf. Eine Erleichterung für Menschen mit Osteoporose.

Titel: 
Osteoporose ist eine verbreitete Erkrankung

Bild: 
Arzt erklärt Frau am Skelett die Osteoporose
Inhalt: 

Gerade ältere Menschen kennen das Risiko des sogenannten Knochenschwundes, wie die Osteoporose im Volksmund heißt. Die Osteoporose ist eine Erkrankung des Skelettsystems, die mit einem Verlust bzw. einer Verminderung von Knochensubstanz und Knochenstruktur einhergeht. DasVerhältnis von Knochenaufbau und Knochenabbau ist gestört. Infolge dessen führt die Erkrankung zu einer erhöhten Anfälligkeit für Knochenbrüche. Die Häufigkeit der Osteoporose steigt mitzunehmendem Alter. Es wird geschätzt, dass in Deutschland jede 4. Frau sowie jeder 17. Mann älterals 50 Jahre an Osteoporose erkrankt ist. Am häufigsten sind Frakturen der Rippe, der Wirbelkörper (Brustwirbelsäule, Lendenwirbelsäule), des Beckens und des Unterarms. Über die Hälfte der Betroffenen erleidet innerhalb von vier Jahren mindestens eine Fraktur.1 Problematisch an dieser Erkrankung ist, dass die Folgen der Frakturen häufig körperliche Einschränkungen mit sich bringenund zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität führen.2 Wesentliche Risikofaktoren für eine Osteoporose bzw. für Knochenbrüche sind neben dem Alter, mangelnde körperliche Aktivität, familiäre Vorbelastung, niedriges Körpergewicht, Rauchen sowie übermäßiger Alkoholgenuss und Kalzium- und Vitamin-D-Mangel. Aber auch Medikamente (wie z.B. Cortison) können das Frakturrisiko erhöhen.

Titel: 
Frakturrisiko unter Gerinnungshemmern

Inhalt: 

Eine niedrige Knochendichte ist mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert. Der Zusammenhang ist jedoch nicht ausreichend geklärt.2 So sind etwa Patienten, die unter Herzinsuffizienz leiden, anfällig für Osteoporose-bedingte Knochenbrüche. Das Frakturrisiko für Wirbelkörper betrifft etwa jeden zehnten Patienten mit Herzinsuffizienz, bei gleichzeitig vorliegendem Vorhofflimmern verdoppelt sich das Risiko sogar.3 Darüber hinaus können Medikamente in den Knochenstoffwechsel eingreifen und somit Osteoporose verursachen oder die Entwicklung der Knochenerkrankung fördern. Menschen mit Vorhofflimmern erhalten Blutgerinnungshemmer zur wirksamen Verhinderung von Schlaganfällen. Seit Jahrzehnten werden Vitamin-K-Antagonisten zur Hemmung der gerinnungsfördernden Wirkung von Vitamin K eingesetzt. Vitamin K spielt aber nicht nur in der Blutgerinnung, sondern auch im Knochenstoffwechsel eine wichtige Rolle. Von Vitamin-K-Antagonisten ist bekannt, dass sie aufgrund ihres Wirkungsmechanismus das Risiko für Knochenbrüche erhöhen. Es ist belegt, dass das Risiko für Frakturen aufgrund der verminderten Knochendichte unter Vitamin-K-Antagonisten um 25 % erhöht ist.4 Insbesondere die Langzeittherapie mit einem Vitamin-K-Antagonisten ist daher als ein wesentlicher Risikofaktor für Knochenbrüche einzustufen.

Titel: 
Risiko von Knochenbrüchen unter NOAKs nicht erhöht

Inhalt: 

Ebenso wie die Osteoporose ist Vorhofflimmern vorwiegend eine Erkrankung von älteren Menschen. Daher sollten Medikamente bei der Therapie des Vorhofflimmerns Verwendung finden, die dasRisiko von Knochenbrüchen möglichst wenig beeinflussen. Zur Vorbeugung des Schlaganfalls bei Vorhofflimmern werden vermehrt Gerinnungshemmer der neuen Generation, auch die neuen oralen Antikoagulanzien (NOAKs) genannt, eingesetzt. Um zu untersuchen, ob diese NOAKs auch bei frakturgefährdeten Personen sicher verschrieben werden können, wurde kürzlich ein Vertreter der NOAKs hinsichtlich des Frakturrisikos mit einem Vitamin-K-Antagonisten (VKA) verglichen.5 Die Beobachtung von etwa 8.000 Patienten basierte auf einer bevölkerungsweiten Datenbank in Hongkong. Verglichen wurde das Risiko für Osteoporose-bedingte Hüft- und Wirbelbrüche. Da NOAKs den Schutz vor Schlaganfällen unabhängig von Vitamin-K bewirken, sollten Frakturentheoretisch weitaus weniger auftreten. Und tatsächlich: Knochenbrüche traten bei 1,0 % der Patienten in der NOAK-Gruppe und bei 1,5 % der Patienten in der VKA-Gruppe auf. Besonders ausgeprägt war die Risikoreduktion bei Patienten, die bereits einen Sturz oder eine Fraktur hintersich hatten. Sowohl nach kurzfristiger (unter 1 Jahr) als auch nach langfristiger Einnahme (über 1 Jahr) war der NOAK-Vertreter überlegen. Der Gerinnungshemmer der neuen Generation war also miteinem erheblich niedrigeren Risiko für Osteoporose-bedingte Knochenbrüche assoziiert als Warfarin, einem Vertreter der Medikamentengruppe der Vitamin-K-Antagonisten. Unabhängig von den Ergebnissen wird Patienten mit einer Herzerkrankung empfohlen, sich kalziumreich zu ernähren und täglich spazieren zu gehen, um einer Osteoporose vorzubeugen. Regelmäßige Bewegung im Tageslicht fördert den Knochenaufbau, stärkt die Muskulatur und beugt so allgemein Stürzen vor. Nicht zuletzt tut Bewegung natürlich auch dem Herzen gut.

Inhalt: 

1  Dtsch Arztebl Int 2013; 110: 52-57
2  DVO-Leitlinie Osteoporose. Leitlinie des Dachverbands der Deutschsprachigen Wissenschaftlichen Osteologischen Gesellschaften, 2014
3  Lyons KJ et al. Circ Heart Fail 2011; 4: 419-424
4  Gage BF et al. Arch Intern Med 2006; 166: 241-246
5  Lau W et al. JAMA 2017; 317: 1151-1158

Beinhaltet Login: