Sie sind hier

Vorhofflimmern – eine Bedrohung für die Gesundheit

Beinhaltet Submenu: 

Vorhofflimmern ist eine chronische Erkrankung. Bei etwa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland ist die Diagnose eines Vorhofflimmerns dokumentiert. Jedes Jahr ereilt rund 40–50.000 von ihnen ein Schlaganfall. Zu Beginn treten die Herzrhythmusstörungen meist anfallsartig (asymptomatisch) in Episoden auf, beginnen spontan und enden von selbst nach weniger als 7 Tagen, meist sogar innerhalb von 24 Stunden. Oft findet das Herz allein in den normalen Rhythmus zurück. Hören die Herzrhythmusstörungen nicht mehr von selbst auf, spricht man von anhaltendem Vorhofflimmern. Herzrhythmusstörungen können harmlos sein, aber auch lebensbedrohlich. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, steigt das Schlaganfallrisiko auf bis zu 8 Prozent pro Jahr. Das heißt, bis zu 8 von 100 Menschen mit Vorhofflimmern bekommen pro Jahr einen Schlaganfall. Weltweit kommt es alle zwölf Sekunden zu einem Schlaganfall in Folge von Vorhofflimmern.

Titel: 
Risiko eines Schlaganfalls wird unterschätzt

Bild: 
Vorhofflimmern – ein Bedrohung für die Gesundheit
Inhalt: 

Tückischerweise tritt Vorhofflimmern bei vielen Patienten ohne vorherige Beschwerden auf – und bleibt aus diesem Grund oft unbemerkt. Gefährlich, denn ohne Behandlung ist das Schlaganfallrisiko groß. Kaum eine Erkrankung verändert einen Menschen und sein persönliches Umfeld so drastisch wie ein Schlaganfall. Langfristige Folgen wie Halbseitenlähmung, Sprach- oder Sprechstörungen schränken die Selbständigkeit und Lebensqualität der Patienten dramatisch ein. Bei manchen Patienten ist der Schlaganfall der erste Hinweis auf ein Vorhofflimmern. Die Hemmung der Blutgerinnung mit den so genannten oralen Antikoagulantien ist das Mittel der Wahl, um Schlaganfälle durch Vorhofflimmern medikamentös zu verhindern. Doch offenbar wird die Gefahr eines Schlaganfalls bei Patienten und Ärzten unterschätzt. Zu diesem Ergebnis kommen Gesundheitsexperten in Ihrer Publikation „Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern“.1 Trotz der Möglichkeit einer wirksamen Blutverdünnung2 erhalten der Studie zufolge zwischen 13 und 43 Prozent der Patienten mit Vorhofflimmern keine orale Antikoagulation (Blutverdünnung). Laut einer Datenanalyse von 183.000 Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen erhalten eine durchgehende Blutverdünnung nur 30 bis 40 Prozent der Betroffenen. Und zwischen 8 und 20 Prozent der Patienten erhalten sogenannte Thrombozytenaggregationshemmer (bspw. Acetylsalicylsäure, ASS). Jedoch sind diese Medikamente in der Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern im Vergleich zu den oralen Antikoagulantien weniger wirksam, so die Autoren der kürzlich veröffentlichten Publikation. Sie schlussfolgern auch, dass sich jährlich 9.400 Schlaganfälle vermeiden ließen, wenn eine bessere medikamentöse Prophylaxe, aber auch eine konsequentere Früherkennung erfolgen würde.

Titel: 
Prävention und Therapie verbessern

Inhalt: 

Die Erkrankung des Herzens nimmt mit höherem Alter zu. Mehr als 10 Prozent der über 74-Jährigen sind an einem Vorhofflimmern erkrankt. Aufgrund des demografischen Wandels ist davon auszugehen, dass die Häufigkeit des Vorhofflimmerns zunehmen wird. Um die bisher hohe Dunkelziffer unentdeckter Erkrankungen besser aufzudecken, empfehlen die Autoren eine frühzeitige Entdeckung des asymptomatischen Vorhofflimmerns. Bei Menschen ab 65 Jahren befürworten sie präventiv ein regelmäßiges Tasten des Pulses. Bei normabweichendem Puls sollten EKG-Messungen erfolgen. Zur besseren Aufdeckung wird von der Ärzteschaft die Durchführung von Langzeit-EKGs (mindestens 24 Stunden) angeregt. Ob Herzrhythmusstörungen harmlos oder lebensbedrohlich sind, sollte ein Kardiologe nach ausführlicher Untersuchung des Patienten entscheiden. Dieser wird sachlich und verständlich über die Risiken und den Nutzen einer Behandlung zum Schutz vor Schlaganfällen aufklären. Darüber hinaus sollten Sie einen gesunden Lebensstil einhalten und weitere Risikofaktoren für einen Schlaganfall, wie Bluthochdruck oder Zuckererkrankungen, im Blickfeld behalten.

Inhalt: 

1 M. Kip, T. Schönfelder, H.-H. Bleß. Weißbuch Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern.
Georg Thieme Verlag 2015.

2 Ruff C et al. Lancet 2014; 383: 955-62

Beinhaltet Login: