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Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz

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Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz nehmen aufgrund zunehmender Erkrankungszahlen einen kontinuierlichen Stellenwert in der Herzmedizin ein. Beide Krankheitsbilder sind sehr komplex und beide Erkrankungen können sich gegenseitig begünstigen. Eine Herzinsuffizienz in der linken Herzkammer begünstigt die Entstehung und Aufrechterhaltung von Vorhofflimmern. Und Vorhofflimmern kann aufgrund eines veränderten Blutflusses im Herzen die Symptome einer Herzinsuffizienz verstärken.

Titel: 
Was ist die Herzinsuffizienz?

Bild: 
Ein Arzt erläutert die Herzinsuffizienz anhand eines Herzmodells
Inhalt: 

Das Herz als Zentrum des Blutkreislaufs hat die Aufgabe, sauerstoff- und nährstoffreiches Blut durch die großen Blutbahnen in den Körper zu pumpen. Von einer Herzinsuffizienz spricht man, wenn das Herz nicht fähig ist, den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen. Andere populäre Bezeichnungen für Herzinsuffizienz sind Herzschwäche oder Herzmuskelschwäche. Eine Herzinsuffizienz kann, je nach Ausprägung, unbemerkt bleiben oder die körperliche Leistungsfähigkeit stark beinträchtigen. Sie kann akut oder chronisch auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium ist die normale Alltagsaktivität des Betroffenen erheblich eingeschränkt. Nicht selten führt die Herzinsuffizienz zum Krankenhausaufenthalt. Die häufigste Form der Herzschwäche ist die Linksherzinsuffizienz, die sich durch Kurzatmigkeit, Luftnot oder Husten bei körperlicher Betätigung äußert.1 Bei einer Schwäche der linken Herzhälfte staut sich das Blut in der Lunge. Als Arten der Linksherzinsuffizienz unterscheidet man ergänzend die systolische oder diastolische Herzinsuffizienz, je nachdem, ob der Blutauswurf oder die Fähigkeit, Blut aufzunehmen gestört ist. Als weitere Form unterscheidet sich die Rechtsherzinsuffizienz. Hier staut sich das Blut, das von den Organen zum Herzen zurückkommt vor dem Herzen und führt zu einem erhöhten Druck in den Blutgefäßen und zu Wasseransammlungen in verschiedenen Geweben. Bei der sogenannten globalen Herzschwäche sind beide Herzhälften betroffen. Innerhalb von Europa gehört die Herzinsuffizienz zu den häufigsten Erkrankungen bei den Erwachsenen.2 Das „Kompetenznetz Herzinsuffizienz“ schätzt, dass in Deutschland zwei bis drei Millionen Menschen von der Erkrankung betroffen sind.3 4 von 100 Menschen erleiden im Laufe des Lebens eine Herzinsuffizienz. Besonders häufig sind Menschen über 85 Jahre betroffen.1 Dennoch ist die Herzinsuffizienz keine Alterserscheinung, denn die Pumpleistung des Herzens nimmt nicht automatisch mit dem Alter ab, sondern nur, wenn das Herz durch eine Erkrankung geschwächt wird.

Titel: 
Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz begünstigen sich gegenseitig

Inhalt: 

Die Herzinsuffizienz selbst ist genau genommen keine Krankheit, sondern Folge einer anderen Erkrankung des Herzens. Bestimmte Erkrankungen des Herzmuskels oder der Herzklappen können eine Herzschwäche auslösen. Aber auch eine Herzrhythmusstörung wie das Vorhofflimmern ist als Risikofaktor für eine Herzinsuffizienz anerkannt. Weitere Risikofaktoren, die zu einer Herzschwäche führen können, sind:

  • Gefäßverengung (Arteriosklerose) der Herzkranzgefäße
  • Herzinfarkt mit Vernarbung des Herzmuskels
  • Herzmuskelerkrankung / koronare Herzkrankheit
  • langjährig bestehender Bluthochdruck
  • chronisch erhöhter Puls
  • Diabetes mellitus Typ 2
  • Lungenerkrankungen
  • Alkoholmissbrauch.

Darüber hinaus besteht ein wechselseitiger Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen: Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz können sich gegenseitig begünstigen. Die Linksherzinsuffizienz oder auch eine hypertensive Herzerkrankung gehören zu den kardialen Grunderkrankungen und werden als Risikofaktor für das Auftreten von Vorhofflimmern angesehen. Dadurch erklärt sich auch, warum Vorhofflimmern oft gemeinsam mit einer Hypertonie (Bluthochdruck), Herzklappenerkrankung oder einer Herzinsuffizienz auftritt. Vorhofflimmern ist bei etwa einem Drittel der Patienten mit Herzinsuffizienz zu finden.5 Je schwerer die Herzschwäche, desto häufiger ist das Auftreten von Vorhofflimmern. Eine Herzinsuffizienz erhöht das Vorhofflimmer-Risiko auf das 4,5- bis 6-fache.6 Das Risiko, Vorhofflimmern zu entwickeln, ist unabhängig davon, ob eine systolische oder eine diastolische Herzinsuffizienz vorliegt. Aufgrund des Interagierens der beiden Erkrankungen ist es für die Ärzte nicht selten eine diagnostische Herausforderung, herauszufinden, ob das Vorhofflimmern Folge oder Ursache der klinisch beobachteten Herzinsuffizienz ist.

Bei Patienten mit Herzinsuffizienz besteht unter anderem das therapeutische Ziel, das Auftreten von Vorhofflimmern zu verhindern. Gefürchtete Komplikationen bei Patienten mit Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern sind thrombembolische Ereignisse bis hin zum tödlichen Schlaganfall. In diesem Falle senkt die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten das Schlaganfallrisiko deutlich. Eine aktuelle Studie hat nun gezeigt, dass Gerinnungshemmer der neuen Generation, die sogenannten NOAKs, bei Patienten mit Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz eine wertvolle Therapiemöglichkeit bei der oralen Antikoagulation darstellen.7

Titel: 
Symptomtest Herzinsuffizienz

Inhalt: 

Der Herzinsuffizienz-Symptomtest kann Sie darin unterstützen, früh eine Herzschwäche zu erkennen, um dadurch eine bessere Therapie und mehr Lebensqualität zu erhalten. Die verschiedenen Fragenstellungen in diesem Test zielen vor allem auf die körperlichen Befindlichkeiten im Alltag ab.

Falls Sie mehrere Fragen mit „Ja“ beantworten, sollten Sie bei Ihrem Hausarzt vorstellig werden:

  • Ermüden Sie rasch?
  • Befällt Sie Atemnot bei Belastung und in Ruhe?
  • Erwachen Sie nachts mit Atemnot?
  • Leiden Sie an hohem Blutdruck?
  • Haben Sie einen Herzinfarkt durchgemacht?
  • Müssen Sie häufig Wasser lassen?
  • Schlägt Ihr Herz mehr als 90 Schläge pro Minute?
  • Ist Ihnen angenehmes Schlafen nur in halb sitzender Position möglich?
  • Haben Sie Wasser in den Beinen und haben Sie in Kürze an Gewicht zugenommen?

Einen Online-Test können Sie auf den Seiten der Deutschen Herzstiftung durchführen. Bitte beachten Sie: Der Symptomtest ersetzt keine Untersuchung oder Diagnose durch Ihren Arzt – er gibt Ihnen lediglich einen ersten Anhaltspunkt zu Ihrem persönlichen Herzschwäche-Risiko.

Inhalt: 

1 Gesundheitsinformation „Herzschwäche“ des Instituts für Qualität und
Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de/herzschwaeche.2635.de.html
2 Hummel A et al. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 298-310
3 Ratgeber Herzschwäche 2017; Kompetenznetz Herzinsuffizienz, www.knhi.de
4 Chatterjee NA et al. JACC Heart Fail 2017; 5: 552-560
5 Wang TJ et al. Circulation 2003; 107: 2920-2925
6 www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de/de/vorhofflimmern/patienteninformati... (zuletzt abgerufen: 06.01.2017)
7 Savarese G et al. JACC Heart Fail 2016; 4: 870-880

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