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Rhythmus- und Frequenzkontrolle – wenn das Herz aus dem Takt gerät

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Wurde ein Vorhofflimmern diagnostiziert, ist der wichtigste Behandlungsschritt oftmals die Einleitung einer medikamentösen Therapie. Mit oralen Antikoagulanzien kann man das damit verbundene Risiko für einen Schlaganfall zu reduzieren. Zusätzlich versucht man, den gestörten Herzrhythmus (=Rhythmuskontrolle) und/oder die bei Vorhofflimmern oft zu hohe Herzfrequenz zu normalisieren (=Frequenzkontrolle).

Grundsätzlich sind bei Vorhofflimmern zwei Beschwerdebilder und die sich daraus ableitenden Therapien zu unterscheiden: 1. der aus dem Takt geratene Herzrhythmus und 2. ein beschleunigtes Schlagen des Herzens (Herzfrequenz).1 Unter dem Herzrhythmus versteht man das regelmäßige Zusammenspiel der Vorhöfe und Kammern des Herzens. Er entsteht durch elektrische Impulse, die sich über den Herzmuskel ausbreiten und die Vorhöfe und Kammern dazu bringen, sich nacheinander ruckartig zusammenzuziehen. Der Rhythmus und die Ausbreitung der Impulse bzw. deren Störung beim Vorhofflimmern kann der Arzt im Elektrokardiogramm (EKG) nachvollziehen. Dagegen beschreibt die Herzfrequenz die gemessene Anzahl der Herzschläge pro Minute, die in der Regel mit der Pulsfrequenz übereinstimmt. Bei Vorhofflimmern gerät das Herz aus dem Takt und rast mit über 100 Schlägen pro Minute.

Im Regelfall liegt bei Vorhofflimmern nicht nur eine Störung des Herzrhythmus, sondern auch eine erhöhte Herzfrequenz vor. Bei akutem Vorhofflimmern oder unmittelbar danach gilt es, zur Stabilisierung des Kreislaufs die beschleunigte Herzfrequenz medikamentös unter Kontrolle zu bringen. Bei Bedarf wird der Herzrhythmus mit Medikamenten stabilisiert. In schweren Fällen greift man auf eine sofortige elektrische Wiederherstellung des normalen Herzrhythmus zurück. Von solchen Akutmaßnahmen klar abzugrenzen ist das langfristige Management des Vorhofflimmerns durch eine Rhythmus- und/oder Frequenzkontrolle. Diese ist – so betonen es auch die Therapieempfehlungen der ärztlichen Fachgesellschaften2 – individuell vom behandelnden Arzt gemeinsam mit dem Patienten festzulegen. Denn im Gegensatz zur medikamentösen oralen Antikoagulation, durch die Schlaganfälle verhütet werden können, geht es bei der Rhythmus- und Frequenzkontrolle in erster Linie um die Besserung Ihrer Beschwerden und Lebensqualität.

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Die Therapieoptionen zur Rhythmuskontrolle

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Rhythmus- und Frequenzkontrolle – wenn das Herz aus dem Takt gerät
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Ziel der Rhythmuskontrolle ist es, den normalen Herzrhythmus (auch als Sinusrhythmus bezeichnet) wiederherzustellen und zu erhalten. Darüber hinaus geht es um eine vollständige Besserung des Allgemeinbefindens. Die Wiederherstellung des normalen Herzrhythmus nennt man Kardioversion. Zu unterscheiden sind eine medikamentöse und elektrische Kardioversion. Sie ist dann anzustreben, wenn das Vorhofflimmern erstmalig oder akut auftritt und noch nicht lange besteht. Diese Therapiemöglichkeit wird häufig empfohlen bei jüngeren Patienten (<65 Jahre), bei höherem Risiko für die Entwicklung einer Herzschwäche, bei häufigem Wechsel zwischen Vorhofflimmern und normalem Sinusrhythmus sowie bei schweren Beschwerden und subjektiv starker Beeinträchtigung. Auch wenn dem Vorhofflimmern eine andere Erkrankung, z. B. Schilddrüsenüberfunktion, zugrunde liegt, kann eine Kardioversion sinnvoll sein. Eine medikamentöse Therapie zur Erhaltung des Herzrhythmus erfolgt in der Regel mit sogenannten Antiarrhythmika. Die Erfolgsaussichten der medikamentösen Kardioversion variieren stark und es ist nicht selten mit Nebenwirkungen zu rechnen. Effektiver ist in der Regel die elektrische Kardioversion, die aufgrund des damit verbundenen Eingriffs am Herzen aber auch mit entsprechenden Risiken verbunden sein kann. In etwa 70-80 % der Fälle ist innerhalb eines Jahres nach erfolgreicher Kardioversion mit einem Wiederauftreten der Beschwerden zu rechnen, durch die längerfristige Einnahme von Antiarrhythmika lässt sich die Erfolgsrate um ca. 10-20 % steigern. Im Gespräch mit Ihrem Arzt gilt es daher stets, den potenziellen Nutzen und das Risiko der Therapie gegeneinander abzuwägen. Als Alternative hierzu bietet sich die sogenannte Katheterablation an, bei der mittels eines direkten Eingriffs über einen Katheter die für die Störung verantwortlichen Stellen an der Innenseite des Herzens verödet werden.

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Die Therapieoptionen zur Frequenzkontrolle

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Ziel der Frequenzkontrolle ist es, bei erhöhter Herzfrequenz den Puls mit Medikamenten in einen akzeptablen Bereich zu senken. Im Regelfall soll dieser auf 80 Herzschläge pro Minute in Ruhe gebracht werden, bei weniger starken Beschwerden reicht auch eine Senkung auf 110 Schläge pro Minute. Je nach Höhe der Herzfrequenz und Begleiterkrankungen kommen sogenannte Beta-Blocker, Kalziumantagonisten und Herzglykoside zum Einsatz. Eine Frequenzkontrolle als Dauertherapie wird vor allem bei mehr als sechs Monate bestehendem Vorhofflimmern, bei erneuten Beschwerden nach einer Kardioversion und subjektiv nicht stark empfundener Beeinträchtigung angestrebt. Eine medikamentöse Reduktion der Herzfrequenz wird oft auch bei älteren Menschen über 80 Jahre präferiert, bei denen eine Rhythmuskontrolle durch Kardioversion als zu riskant oder aufgrund von Begleiterkrankungen als nicht sinnvoll erachtet wird. Eine medikamentöse Frequenzkontrolle kann auch aus Furcht vor Nebenwirkungen oder aufgrund zu geringer Erfolgsaussichten einer Kardioversion in Frage kommen.

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Welche der beiden Behandlungsstrategien primär infrage kommt, sollten Sie eingehend mit
Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen, zumal sich die Entscheidung sehr stark an ihren persönlichen Beschwerden, Erwartungen und Präferenzen festmachen wird. Ohnehin kann die jeweilige Therapie im Krankheitsverlauf erneut individuell angepasst werden.

1 Gesundheitsinformation Vorhofflimmern des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de/vorhofflimmern.2311.de.html (zuletzt abgerufen: 06.02.2017)
2 Kirchhof P et al. Eur Heart J 2016; 37: 2893-2962

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